Flaschen mit "Geheimsprache" der Banalität entrissen


Die Düsseldorfer Malerin Melanie Richter zeigt beim
Brettener Kunstverein überdimensionale " bottles & glasses"

Ihre wichtigsten Materialien sind derlei drei: reines Wachs, reines Acryl und reines Farbkonzentrat. Ihre Technik selbstentwickelt und außergewöhnlich. Die Rede ist von der Düsseldorfer Künstlerin Melanie Richter. Deren überdimensionale bunte " bottles & glasses" sind die Stars der gleichnamigen Gemälde-Ausstellung, die Sonntagnachmittag beim Brettener Kunstverein eröffnet wurde.
Alfred Knecht, Karlsruher Galerist, betonte in seiner Einführungsrede die intensive Freundschaft (...) zu ihrem Mentor Dieter Krieg, einer der bedeutendsden Vertreter des Figurativen Expressionismus, der 2005 verstarb. Auch er habe Banales zum Kunstwerk erhoben. Melanie Richter bediene sich in ihrer Malerei keineswegs industriell vorgefertigten Produkten, den sogenannten " Readymades", wie es viele Künstler machten, sondern finde für Alltagsgegenstände wie Flaschen und Gläser (leer oder gefüllt) ihre ganz eigene Bildsprache.
Ein wichtiger Punkt spielt hierbei die Technik. Richter trägt zunächst flüssiges Stearin mit einem Pinsel auf die unbehandelte Leinwand auf und experimentiert so mit den malerischen Eigenschaften von flüssigem, weißem Wachs. So arbeitet sie schließlich weiß auf weiß. Im nächsten Schritt trägt sie verschiedene Acrylfarben auf, übermalt so die weiße Wachsschicht, die sie sich vor ihrem inneren Auge aber nach wie vor merkt - ein Vorgang, der viel Konzentration abverlangt. Als letzten Schritt schmelzt sie das Wachs mittels Föhn aus der vollständig bealten Leinwand wieder heraus. Die vorher unsichtbaren, da mit Acryl bedeckten weißen Schlieren und schlackeartigen Strulturen kommen - wie bei einer Geheimschrift - plötzlich wieder zum Vorschein.
Anhand dieser Vorgehensweise wirken die großformatigen Bilder, deren Motive hin und wieder den Bildrahmen zu sprengen versuchen ( zum Beispiel " Glass2 , 2008), sehr locker - eine Leichtigkeit, die fasziniert. Vor allem aufgrund der gesprenkelten, pastos aufgetragenen Wachsflächen in Weiß, die in jedem Werk vertreten sind. Große Spannungsmomente schaffen hierbei Kontraste von Form und Farbe, Hell und Dunkel sowie flächen und Volumen. Steht man zu nahe am Bild, erkennt man manchmal nicht sofort, was es darstellt. Die Leerstelle, die das Wachs ließ, verleiht dem abgebildeten Trinkgefäßen oft eine organisch anmutende Kontur, so dass die Motive im ersten Moment auch als florale Strukturen aufgefasst werden könnten. Erst mit längerem hinsehen und einer größeren Distanz zum Bild, geben sie ihre eigentliche Bestimmung als durchscheinende Gefäße zu erkennen.
Alle Bilder der Ausstellung sind in diesem Jahr entstanden, und vom Format eher untypisch für die ehemalig Remstaler Künstlerin, wie Knecht den Ausstellungsbesuchern in seiner Rede versicherte: " Normalerweise malt sie noch viel größer - es sind die kleinsten aus ihrem Atelier" . Eigens für diese Schau wurden die sonst weißen Stellwände des Kunstvereins in metallisches Silber gestrichen, was einen gelungenen Kontrast zu den klaren, meist in leuchtenden gelb-roten oder blau-grünen Tönen Gehaltenen Gemälden ergibt.

Melanie Richter lebt in Düsseldorf. Sie studierte an der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, sowie an der Kunstakademie Düsseldorf bei Dieter krieg, dessen Meisterschülerin sie war.   Claudia Schuler