Kultur: Kunst und Raumfahrt
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Neusser verbinden Kunst und Raumfahrt

Neuss: Neusser verbinden Kunst und Raumfahrt
Die Gruppe "Spartnic" in Dresden (v.l.): Harley Hollenstein, Thomas Riess, Bruno Streich, Charles Rump, Franziska Megert, Simone Hooymans, David Fried, untere Reihe: Johannes Lenhart, Melanie Richter, Max Grüter und Kay Kaul. FOTO: nn
Neuss. Bei der 8. Internationalen Ausstellung Ostrale in Dresden haben mehr als 200 Künstler aus 34 Ländern ihre Werke unter dem Titel "Around You" gezeigt. Mit dabei: Kay Kaul und Melanie Richter mit ihrer Künstlergruppe "Spartnic". Von Natascha Plankermann

Der Weltraum - unendliche Weiten. Auf den Spuren der Geheimnisse, die sich dort verbergen, sind nicht nur Astronauten und Wissenschaftler, sondern auch Künstler wie Kay Kaul und Melanie Richter mit ihrer Künstlergruppe "Spartnic - Weightless Artists Association". Das Atelier der beiden direkt am Neusser Bahnhof war schon mehrere Male Schauplatz von Künstlerfesten und Aktionen wie einer fiktiven Reise ins All oder Live-Übertragungen der ersten Berichte der europäischen Mars-Express-Mission. Die aktuelle Mission des Paars heißt derzeit "014" und sie startet nicht am Rhein, sondern an der Elbe: Dort haben mehr als 200 Künstler aus 34 Ländern ihre Werke bei der 8. Internationalen Ausstellung Ostrale in Dresden unter dem Titel "Around You" gezeigt. Ostrale wird das ehemalige Jagdrevier des Fürsten August des Starken genannt.

"Der Ausstellungsort ist ein ehemaliger Schlachthof. Unsere Sonderschau befindet sich in den ehemaligen Futterställen für das Vieh - zwei Gebäuden, die 100 Meter lang und 15 Meter hoch sind", erzählt Kay Kaul. Er hat dafür extra ein Konzept entwickelt, das von einem dunklen Raum (black cube) ausgeht. Darin läuft der Besucher wie auf einem Parcours an den 40 Werken entlang, die mithilfe von Bewegungsmeldern und spezieller LED-Technik erst dann richtig erleuchtet werden, wenn er davor steht. Ansonsten bleiben die Wände frei und sind extra mit schwarzem Moltonstoff und Samt verkleidet - Materialien aus alten Bühnenvorhängen, die die Semperoper zur Verfügung stellte. "So wirkt der Raum unbegrenzt, und die einzelnen Stationen des Parcours erscheinen wie Sterne oder Galaxien", sagt Kaul. Die Gäste müssen sich also quasi auf eine Entdeckungsreise durchs All einlassen - getreu dem Zitat von Albert Einstein, das die Künstler wie ein Motto ausgewählt haben: "Das Schönste, was wir erleben können, ist das Geheimnisvolle. Es ist das Grundgefühl, das an der Wiege von wahrer Kunst und Wissenschaft steht."

Nach Dresden kamen die Malerin Melanie Richter und der Foto-Künstler Kay Kaul durch einen Kontakt zu Martin Müller, einem der früheren Kuratoren der Ostrale. Gemeinsam mit dem Zürcher Künstler Max Grüter wurden sie in diesem Jahr selbst zu Kuratoren ihrer eigenen Sonderschau, zu der sie weitere 20 Künstlerkollegen einluden. Darunter finden sich Experten für Skulpturen oder besondere Installation wie Aljoscha oder Dimitrij Dihovichnij, Videokünstler wie Franziska Megert und Agnes Meyer-Brandis, aber auch Fotografen wie Claudia van Koolwijk. Sie alle gehören der Gruppe Spartnic an, deren Gründungsveranstaltung im Düsseldorfer Künstlerverein Malkasten stattfand und die programmatisch von sich sagt: "Wir verstehen unsere Projekte stets als Aufforderung, Grenzen zu überwinden und Neues zu erkunden. Revolution als Veränderung, plötzlicher Wandel, Umbruch und Evolution als permanente Fortentwicklung sind zentrale Themen in Raumfahrt und Kunst. Kunst und Wissenschaft drängen mit der Eroberung neuer Sphären zur Erkenntnis und revolutionieren den All-Tag."

"Der Aufbau in Dresden begann schon im November vergangenen Jahres", beschreibt Kay Kaul den Aufwand für die Ausstellung, die am 28. September mit einer Finissage endete. Mehr als 20 000 Besucher haben sich die vier Stunden Zeit genommen, die ein Rundgang über die Ostrale in Anspruch nimmt. "Sie haben es genossen, in unserer Schau wenige Arbeiten als klares Statement der beteiligten Künstler intensiv und schön ausgeleuchtet sehen zu können", sagt Melanie Richter.

Viele haben sich auch durch die beiden Eventwochenenden inspirieren lassen, die die Künstler in Dresden veranstaltet haben: Einmal wurden anspruchsvolle Science-Fiction-Filme wie "American Astronaut" gezeigt; ein anderes Mal konnten die Teilnehmer eines Kurses Molekularcocktails mit so fantasievollen Namen wie "Zero G" oder Liquid Sky selber mixen. Zur Finissage hat Kay Kaul sie erneut serviert - für alle, die wenigstens geschmacklich in den Weltraum reisen wollten.

Quelle: NGZ
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