Planetenkunst
Die Reise zum Mars inspiriert nicht nur Astronauten und Forscher, sondern auch Künstler: Melanie Richter hat in ihrem Atelier am Neussewr Bahnhof ein Planeten-Projekt gestartet, das in einer Ausstellung mündet
RP-Foto: Werner Gabriel Wie schwerelos schweben Melanie Richters "Spacebaby" auf der Leinwand
NEUSS. Vor dem Atelierfenster halten die Züge, eine ferne Lautsprecherstimme kündigt die Abfahrt der Regiobahn auf Gleis Soundso an. Die Künstlerin Melanie Richter arbeitet in einer früheren Werkstatt gleich an dem Bahnsteig mit Namen "5tief" am Neusser Hauptbahnhof. Dort entstehen ihre schwebenden Astronauten, und dort reifte auch der Plan für ein Projekt im Zusammenhang mit dem Planeten Mars, das inzwischen in vollem Gange ist. Alles begann Mitte 2003, als der Mars der Erde so nahe kam wie noch nie. Gleichzeitig begann Melanie Richter eine neue Werkgruppe mit dem Titel " Zerogravity2 : Sie skizzierte Menschen, die sich in einem grossen Sitzsack, gefüllt mit Millionen winziger Styroporkugeln, versinken liessen- und machte auf diese Weise Studien über die Körperhalting in der Schwerelosigkeit. Grosse Astronautenbilder in einer besonderen Technik folgten: Melanie Richter spart den Raum auf der Leinwand, in dem später der Raumfahrer seinen Platz findet, mit Wachs aus und lädt ihn dann mit intensiven Acrylfarben auf. Durch dieses " Loch im Bild", das sich durch die umgebende Farbe definiert, entsteht der besondere Effekt des schwebenden, menschenähnlichen Objekts in einer Art Seifenblase. " Spacebaby" nennt Melanie Richter ihre Werke, und die einzelnen Bilder tragen als Titel die Vornamen von Astronauten, die momentan in Raumfahrtmissionen unterwegs sind. Inspiriert von ihren Gemälden lud die Künstlerin Kollegen, Freunde und Sammler zu Künstlerfesten ein - sie standen unter dem Motto " Zerogravity" oder trugen den Titel "Marsbar" oder "merryMARS" und stimmten mit Space-Drinks sowie Filmen über den Mars auf eine fiktive Reise zum roten Planeten ein. "Durch diese Aktionen entstand bei mir und anderen Künstlern die Idee eines gemeinschaftlichen Projekts", erzählt Melanie Richter. Sie plant und organisiert nun das Ausstellungsprojekt " runningMARS", das vom 21. Mai bis 11. Juli im PAN Kunstforum in Emmerich zu sehen und erleben ist. Um sich vorzubereiten, besuchte die Künstlerin zusammen mit ihrem Kollegen Kay Kaul das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum in Köln, Fotos vom originalgetreuen Modell des Marsfahrzeugs " Beagle" entstanden. Während eines Astronautentrainings würde Melanie Richter gerne noch Studien machen. Unterdessen entwickeln die 15 anderen Ausstellungsteilnehmer sowie vier Gäste Objekte, Bilder, Konzerte und Happenings: Wilhelm Mundt arbeitet beispielsweise an " Trash Stones", Andreas Techler bereitet Installationen zu den " Marskanälen" (riesige Grand Canyons an der Planetenoberfläche) vor, und Stefan Lux plant Versuchsanordnungen und Videos zum Thema "Wasser" (auf dem Mars). Die Faszination die vom erdähnlichsten Planeten im Sonnensystem ausgeht, breitet sich immer weiter in Künstlerkreisen aus - Melanie Richter sieht sogar augenzwinkernd einen Vorsprung vor den amerikanischen Raumfahrtplänen: " george Bush die Station auf dem Mond erst bauen, von der aus bemannte Flüge zum Mars gehen - meine `Spacebaby´ sind schon unterwegs."
Rheinische Post
Sa, 19. Februar 2004
© Natascha Plankermann / RP
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