Ein magisch-explosiver Sog geht von den Bildern der Malerin Melanie Richter aus. Wie in einem Farbrausch strahlen dem Betrachter kräftiges Gelb, Rot, Orange entgegen. Kometen und Planeten scheinen sich daraus zu lösen, oder sie entstehen in einer Art Farbe gewordenem Urknall. Hier und da sind noch versprenkelte Spritzer, Punkte, Funken zu sehen. Planeten, die sich kaum vom All abgrenzen und doch erkennbar bleiben. Jedes Bild hat eine in sich schlüssige Farbgebung, stark und intensiv. Man fühlt sich, als schwebe man mitten im All und beobachte die Kometen ganz nah. Wie spröde Krater haften fixierte Farbpigmente auf den großformatigen Gemälden, fast haptisch, doch nicht pastos, eher leicht, bröckelnd und rissig.

Melanie Richter ist 1964 in Göppingen geboren, hat in Basel, Freiburg und Stuttgart studiert, bevor sie ihr Kunststudium als Meisterschülerin von Dieter Krieg in Düsseldorf abschloss. Sie malt seriell. Aktuell sind Kometen ihr Lieblingssujet. Die neuen Gemälde bestechen in der Galerie Knecht und Burster, wo sie in einer Einzelausstellung gezeigt werden, mit ungeheurer Kraft und farblicher Wucht. „Genese“lautet der Ausstellungstitel, ein Wort aus dem Griechischen das so viel wie Entstehung, Ursprung bedeutet. Woher kommen wir, wohin gehen wir, Zeit und Vergänglichkeit assoziiert man mit diesen Arbeiten. Immer schwingt ein Hauch von Mystik und Magie mit. Wie auch in den anderen Serien von Melanie Richter, bei denen Kandelaber, Flaschen oder „Spacebabies“in Farben schweben oder driften, scheinbar schwerelos und überdimensioniert. Stilistisch ist Richter ihren Motiven treu geblieben, ihre Kometen sind wieder frei schwebende Objekte. Ob mit dem Pinsel dick gestrichen, getropft, gespritzt, verwischt oder übermalt, jedes dieser Gemälde hat eine ungeheure Sogwirkung. Es ist, als schaue man ins unendliche All und ein Komet fliege direkt auf einen zu.

Diesen Blick variiert die Malerin in allen Farben und Facetten: Mal schwebt der Gesteinsbrocken in provokantem Lila, Rot, Orange, mal wirbelt das Teil in elegantem Blau mit gold-gelben Facetten durchs Nirwana. Melanie Richter macht mehr sichtbar als die Dinge, sie weckt Emotionen. Mit fein gesetzten, teils leuchtenden Pigmenten oder Acryl auf Baumwoll-Leinen schafft sie malerische Erlebnisse als Sinnbilder unseres Daseins.

Gemälde mit einem Hauch von Mystik.


Ute Bauermeister, BNN Karlsruhe

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